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Was ist der Unterschied zwischen Vermeidung und Entdeckung in einer D-FMEA?

Jörg Schacht: "D-FMEA - wie man Fehler definiert"

Mit dem FMEA-Moderator in eine Grundlagendiskussion zu einer Design-FMEA (Design-Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse (Failure Modes and Effects Analysis)) einsteigen - diskutieren Sie mit.

Im Beitrag konzentriert sich der Autor des Beitrags, Dipl.-Ing Jörg Schacht, auf den Bereich der Mechanik mit dem bekannten Locher-Beispiel.

"In einer Design-FMEA untersuche ich die Fehler, die ich bei der technischen Spezifikation der einzelen Produktmerkmale gemacht haben könnte. Produktmerkmale sind für mich: Länge / Durchmesser / Dicke / Oberfläche / Material. Diese Merkmale spezifiziere ich in der Zeichnung. Die Aufgabe der Design-FMEA ist dann, zu untersuchen, ob der Konstrukteur die entsprechenden Angaben auf der Zeichnung möglicherweise falsch spezifiziert hat.

Daher wären die möglichen Fehler:

  • Loch zu groß
  • Loch zu klein
  • Loch vergessen
  • Loch in der falschen Lage (in Bezug zum Beispiel auf Anschlussmaße des zu verbauenden Teils)

Die möglichen Fehlerfolgen sind:

  • Teil kann wackeln
  • Teil kann nicht montiert werden
  • Teil wird in der falschen Position montiert

Und daraus werden dann die Fehlerfolgen für das übergeordnete System bis hin zum Gesamtfahrzeug (bzw. Locher) abgeleitet!

Die möglichen Fehlerursachen sind:

  • Schreibfehler des Konstrukteurs Kopierfehler von der anderen Zeichnung (falsches Loch erwischt)
  • Spezifikation eines Loches einfach vergessen
  • Loch bei der Erstellung im CAD unwissentlich verschoben

Mögliche Vermeidungsmaßnahmen sind (alles, was noch im Stadium der Zeichnungserstellung, vor der Freigabe der Zeichnung gemacht wird):

  • Abstimmung mit dem CAD-Modell des Kunden
  • Überprüfung der Zeichnung durch einen Kollegen (bevor tatsächlich die Zeichnung freigegeben wird und Teile gefertigt werden)
  • CAD Zusammenbauzeichnung erstellen

Mögliche Entdeckungsmaßnahmen sind (alles, was nach der Zeichnungsfreigabe gemacht wird; wenn ich also schon "Hardware" produziere, aber entwicklungsbegleitend und keine Produktionstests):

  • Prototyp kann nicht hergestellt werden
  • Zusammenbauversuche DV und PV (typischerweise) mit solchen Tests wie:
  • Temperaturtest
  • Shakertest
  • Dichtigkeitsprüfung

Was ist also der Unterschied zwischen Vermeidung und Entdeckung in einer D-FMEA?

Wie schon gerade versucht anzudeuten, ist für mich die Unterscheidung bei "Brainware" (Zeichnung) und Hardware "hergestelltes Teil" zu sehen. Solange ich noch nichts in der Hand habe, zählen die Maßnahmen für mich zu den Vermeidungsmaßnahmen (auch Berechnung / Überprüfung der Ergebnisse durch den Kollegen / etc.). Eine Entdeckungsmaßnahme ist eine Maßnahme, die ich erst am physikalischen Teil vornehmen kann.

Wie wird aus einer Entdeckungsmaßnahme im B-Muster eine Vermeidungsmaßnahme im C-Muster?

Dabei kommt es einfach auf den Zeitpunkt der Betrachtung an !Ein Zusammenbauversuch für das B-Muster ist in der B-Muster Phase eine Entdeckungsmaßnahme. Da diese Maßnahme aber (hoffentlich) vor der Freigabe der C-Muster Zeichnung durchgeführt wird, ist es für das C-Muster eine Vermeidungsmaßnahme. Es kommt also wirklich auf den Zeitpunkt bzw. den Blickwinkel an.

Praktisches Anwendungsbeispiel ist bei der Einstufung des Airbags: Ist der Airbag eine Vermeidungsmaßnahme oder eine Eventualmaßnahme?

  • Bezogen auf das Ereignis "Unfall" ist der Airbag eine Eventualmaßnahme, denn der Airbag hat noch keinen einzigen Unfall verhindert! (aber schon einige Unfälle ausgelöst ;-) Der Airbag löst erst dann aus, wenn der Unfall schon passiert ist (die Crash-Sensoren ein Signal geliert haben).
  • Bezogen auf das Ereignis "Kopf auf Lenkrad" ist der Airbag natürlch eine Vermeidungsmaßnahme! Auch hier kommt es auf das zu Grunde liegende Ereignis bzw. den Zeitfaktor an."

Fragen? Anregungen? Anderer Meinung? Der Autor freut sich über jeden Beitrag zu diesem Artikel, der auch gern als Kommentar veröffentlicht werden kann - diskutieren Sie mit!

Autor: Jörg Schacht, FMEA-Moderator, QM-Trainer und Functional Safety Manager (AFSE); Inhaber der i-Q Schacht & Kollegen Qualitätskonstruktion GmbH

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